Als Heimatstadt Goethes ist Frankfurt am Main nicht nur literarisch bedeutsam, sondern auch ein Ort, an dem sich deutsche Geschichte, politische Entwicklungen und gesellschaftliche Fragen besonders gut nachvollziehen lassen. Dies erlebten der Deutsch-Leistungskurs mit Frau Dr. Kohl und Frau Wabnegg-Paulus‘ Geschichts-Grundkurs bei ihrer zweitägigen Exkursion Ende Juni 2026.
Durch die Besuche im Deutschen Romantik-Museum, des Goethehauses, der Paulskirche sowie des Kommunikations- und des Historischen Museums wurde eindrucksvoll deutlich, dass all diese Themen stärker miteinander verbunden sind, als man im ersten Moment vermuten würde.
Am Ankunftstag besuchten wir zunächst das Romantik-Museum. Dort erfuhren wir, dass die Romantik keinen einzelnen „Erfinder“ hat. Zwar wird sie häufig mit Deutschland verbunden, sie war jedoch eine internationale Bewegung. Sie entstand als Reaktion auf bedeutende Veränderungen: die Französische Revolution, die zunehmende Rationalisierung durch die Aufklärung und später auch die Industrialisierung. Viele Menschen empfanden diese Entwicklungen als Fortschritt, gleichzeitig aber auch als Entfremdung. Die Romantik stellte dem Gefühl, Natur, Fantasie und Innerlichkeit entgegen. Besonders spannend war, wie aktuell diese Themen heute wirken. Angesichts von Klimakrise, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz stellt sich erneut die Frage, welchen Platz der Mensch in unserer sich verändernden Welt einnimmt.
Das Goethehaus ergänzte diesen Eindruck, indem es einen direkten Blick in Goethes Lebenswelt ermöglichte. Die originalgetreu ausgestatteten Räume wirkten aus heutiger Sicht altmodisch, galten damals jedoch als modern und luxuriös. Das große Haus und die hochwertige Einrichtung machten den Wohlstand der Familie Goethe sichtbar und verdeutlichten zugleich das kulturelle Umfeld, in dem Goethe aufwuchs.
Am zweiten Tag begannen wir mit einer Besichtigung der Paulskirche, die als Wiege der deutschen Demokratie gilt. Obwohl ihr Innenraum heute eher schlicht wirkt, besitzt der Ort enorme historische Bedeutung. Hier tagte 1848 die Nationalversammlung, die wichtige Grundrechte formulierte, welche einen Grundbaustein unserer heutigen Demokratie und unserer Rechte bilden.
Im Kommunikationsmuseum und dessen Nachrichtenausstellung lag der Fokus auf dem Vertrauen unserer Gesellschaft in die heutigen Medien. Dort wurde deutlich, dass viele Menschen dieses zunehmend verlieren. Fake News, manipulative Darstellungen und die ständige Konfrontation mit negativen Schlagzeilen führen dazu, dass sich viele bewusst von Nachrichten distanzieren. Besonders eindrucksvoll war eine Bildanalyse, die zeigte, wie stark Perspektive die Wahrnehmung verändert: Je nach Bildausschnitt konnte dieselbe Situation völlig unterschiedlich interpretiert werden. Dadurch wurde klar, dass Medien Realität nie vollständig abbilden, sondern immer auswählen und dadurch auch beeinflussen. Hier zeigte sich eine interessante Verbindung zur Romantik: Damals wie heute reagieren Menschen auf Unsicherheit mit der Suche nach Orientierung und etwas Echtem.
Im Historischen Museum stand die Frage nach Erinnerung und Verantwortung im Mittelpunkt. Die Auseinandersetzung mit dem jüdischen Viertel Frankfurts und dem Umgang mit NS-Verbrechen machte deutlich, wie gefährlich Verdrängung sein kann. Viele Täter wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nicht bestraft, weil der Wiederaufbau Priorität hatte und viele Menschen lieber nach vorne blicken wollten. Erst Jahrzehnte später begann eine intensivere Aufarbeitung. Dies zeigt, wie wichtig Erinnerung für eine demokratische Gesellschaft ist.
Insgesamt hat die Exkursion gezeigt, dass Geschichte nicht vergangen ist. Die Themen Romantik, Demokratie, Medien und Erinnerungskultur hängen eng zusammen und prägen unsere Gegenwart. Gerade in einer Zeit voller Krisen und Unsicherheiten wird deutlich, wie wichtig kritisches Denken, Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind.
Von Ida Barreda Perez, Miriam Freitag, Carla Graß und Julina Smith (Q2)




