Ein Ende, das zugleich ein Anfang ist (wlz-fz, 16.07.2014)

Orchesterklasse präsentiert nach zweijähriger Ausbildung ihr musikalisches Können vor den Eltern

„Ihr ward eine der kleinsten Orchesterklassen, die wir je hatten, und habt doch geklungen wie ein großes Orchester“, resümiert Eva Scholze, Leiterin der Musikschule Frankenberg.
Gerade hat die zehnte Orchesterklasse der Edertalschule ihr letztes Konzert gegeben, denn die zweijährige Instrumental-Ausbildung im Klassenverband ist nun beendet. Und als Scholze über die Modalitäten der Fortsetzung einer Ausbildung spricht und dabei auch erwähnt, dass die Instrumente, die die Kinder nun zwei Jahre bespielt haben, zunächst abgegeben werden müssen, sieht man Wehmut in den Augen der Sechstklässler. Doch dann erfahren sie, dass es möglich ist, bei einer Weiterführung der Ausbildung in privatem Rahmen dasselbe Instrument wieder von der Musikschule auszuleihen, weil die Instrumente baulich kleiner sind und es erst dann Sinn macht, ein neues Instrument zu kaufen, wenn das Kind größer ist. Erleichterung macht sich breit. Dass die meisten der Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d eins geworden sind mit ihren Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässen, Trompeten und Hörnern, hört man. Für das kleine Abschluss-Konzert haben die Kinder ihre Familien eingeladen und bieten einen Querschnitt von Stücken, die sie bis zuletzt geprobt und gerade erst beim Musikschulkonzert aufgeführt haben. Und schon beim ersten Anspiel und einer kurzen Probe vor dem Konzert wird klar: Die Mädchen und Jungen, wissen worauf es ankommt. So zu sitzen, dass man vor den Noten sitzt und mit einem Augenaufschlag den Dirigenten sieht. Sortierte Noten. Gestimmte Instrumente. Zuhören, Aufpassen. Konzentration. Martin Fischer feilt nochmal an den verschiedenen Tempi der Stücke, die dann die stolzen Eltern in den Zuhörer-Reihen staunen lassen. Spitzenreiter der Orchesterklassen-Hitparade sind zum einen „Lady Gaga in concert“, ein Medley bekannter Hits von Lady Gaga, das Martin Fischer „seiner“ Orchesterklasse auf den Leib geschneidert hat. „Heute ohne Schlagzeug oder Piano, aber das kriegen wir auch so hin“, meint Martin Fischer selbstbewusst. Und er soll Recht behalten: Gezupfte Passagen der Streicher, Synkopen, Crescendo oder Decrescendo, voluminöse Bässe, harmonierende Celli, starke Trompeten, warm klingende Hörner – alles klappt.

Zum anderen steht mit „The fellowship of the ring“ ein Ausschnitt aus der Filmmusik von „Herr der Ringe“ von Howard Shore auf dem Programm, bei dem Mareike Müller mit ihrer Geige allein die Melodie von „In dreams“ spielt. Bei diesem Paradestück kommt es auf das kraftvolle Spiel der Trompeten und Hörner gleichermaßen an, wie auf den warmen Klangteppich der Streicher aller Tonlagen. Egal, ob es ein Stück aus Händels Oratorium „Josua“ ist, oder die Sarabande „Lascia ch‘io Pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“, Menuett oder Marsch von J.S.Bach – alle Musici der Klasse haben ein eindrucksvolles Bild davon abgeliefert, was nach zwei Jahren möglich ist. Die Premiere des Abends „I got rhythm“ von George Gershwin, zu der die Proben gerade abgeschlossen wurden, spielen die Kinder langsam, aber sehr sauber. Zwischen den Tutti-Stücken präsentieren die einzelnen Instrumentengruppen kurze Musikstücke. Die 22 Schülerinnen und Schüler von Geigenlehrerin Marion Linse, Hornlehrer Svetoslav Donev, Geigen- und Bratschenlehrer Jan Oracko, Trompetenlehrer Rinaldo Blechschmidt, Cellolehrerin Galina Nachkova und Basslehrer Eugen Kushinchanov haben alle das Zeug, von nun an im Jugendorchester der Edertalschule mitzuspielen, einige tun das bereits jetzt schon. Dann beginnt für die elfte Orchesterklasse unter der Leitung von Gertrud Will das zweite Ausbildungsjahr und – besonders erfreulich: Im neuen Schuljahr geht der bereits zwölfte Orchesterklassenjahrgang unter der Leitung von Torsten Herguth mit 30 Kindern an den Start.